Anti-Social

Jason Kottke hats Anfang Mai gemacht, ich hatte es mir schon länger mal vorgenommen und dann doch immer wieder nach Ausreden gesucht, um es verschieben zu können: letzte Woche habe ich weder Facebook noch Instagram genutzt. Facebook gehört normalerweise neben Feedly und Google Mail zu den Tabs im Browser, die immer offen sind, was an sich schon mal blöd ist wenn man daneben die Zahl der Benachrichtigungen angezeigt kriegt und diesen unterschwelligen Drang hat, kurz nachsehen zu müssen. Instagram habe ich mehrmals am Tag aufgerufen, die Timeline in Facebook mehrmals am Tag gecheckt – nicht weil mich wirklich interessieren würde, was dort gerade passiert, irgendwann wurde es ein fast unbewusster Reflex und eine irgendwo auch nicht mehr ganz so gesunde Handlung.

Also habe ich alle Apps vom Smartphone gelöscht und mich am Desktop ausgeloggt und erst vergangenen Montag nach sieben Tagen wieder einen Blick reingeworfen. Ist jetzt nicht die riesige Zeitspanne, ich weiß, andere machen das ständig, aber von „stündlich mehrmals“ auf „gar nicht“ halt ich schon für einen recht großen Schritt.

– Ich dachte, es würde schwieriger werden, war es aber nicht. Am ehesten hatte ich noch Probleme diesen Reflex zu unterdrücken, das Smartphone aus der Hosentasche zu befördern um wieder mal irgendeine Timeline zu checken.
– Bei Facebook hatte ich fast 90 Benachrichtigungen, die allermeisten von einer Seite, die ich mitbetreue. Der Rest waren zum größten Teil wie ich sie nenne „Engagement Notifications“, also von Facebook generierte Benachrichtigungen um mich dazu zu bewegen, irgendwas zu tun. Nicht eine einzige Benachrichtigung war wichtig.
– Niemand hat bemerkt, dass ich weg war. Wie gesagt, ist bei sieben Tagen auch nicht verwunderlich da ich sonst auch eher passiver Leser bin, nur sollte man sich klar machen dass das „Social“ in „Social Media“ schon lange nicht mehr vorhanden ist. Schon heute kriege ich ja mehr Inhalte von Facebook Seiten als von meinen Freunden in meinem Newsfeed angezeigt. Und zumindest in den Filter Bubbles, in denen ich mich bei Instagram bewege, kann man sich das Social auch gleich sparen.
– Wir sind in sozialen Netzwerken nur eine Statusmeldung, ein Foto, ein Link, vor allem sind wir aber alle austauschbar. So wie meine Abwesenheit nicht bemerkt wurde würde es so ziemlich jedem ergehen, denn wir halten nicht mehr aktiv Ausschau nach interessanten Inhalten sondern erwarten eigentlich, dass sie uns in die Timeline gespült wird. Ist übrigens auch nicht anders wenn man Facebook, Instagram und so weiter beruflich nutzt – es sind alles Werbekanäle geworden. Ist okay für mich, man sollte sich das halt nur klar machen.
– Instagram hab ich kurz am Rechner geöffnet und dann wieder geschlossen.

Und jetzt? Die Apps kommen wohl nicht mehr aufs Smartphone, es ist tatsächlich sehr angenehm sich mehr auf meine Umgebung einzulassen als auf ein kleines Display, und nichts ist so wichtig als das ich darauf sofort und jederzeit und überall reagieren müsste. Vermisst habe ich beide Plattformen in dieser Woche nicht, darauf verzichten werde ich natürlich trotzdem nicht, nur sagen wir mal zweckgebundener nutzen.

Und ich habe letzte Woche wieder mehr gebloggt. Ist doch auch was.

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