„Bestandskunde“

Bei Spiegel Online gabs gestern einen Artikel über Mobilfunk- und Internetprovider in Deutschland, die so gut wie nie die gebuchte Geschwindigkeit erreichen oder anbieten, und das man als Kunde eigentlich ziemlich machtlos ist, außer vielleicht zu kündigen und beim nächsten Anbieter das gleiche Problem zu haben.

Mir fiel da wieder mal auf, dass es den Anbietern auch komplett egal ist, ob sie die besten sind oder nicht. Müssen sie ja auch nicht, es reicht ja einfach nur ein bisschen besser zu sein als der Rest. Oder günstiger. Die anderen sind ja auch nicht besser. Und dann kam mir wieder in den Sinn, dass es bei Hostern (von Websites) auch nicht anders ist, und ich erinnerte mich wieder an diese Situation bei der re:publica 11, als unser Managed Server in die Knie ging und der gar nicht mal so kleine Hoster gar nicht reagierte und auf deutliche Nachfrage nur vorschlug, kurzzeitig auf einen stärkeren Server zu wechseln. Gegen Aufpreis natürlich. Ich habe mich damals so über die geärgert, dass ich sie seitdem nie wieder jemandem empfohlen habe und es auch nicht mehr tun würde.

Und dann trat eben irgendwann Uberspace auf den Plan, bei denen ich noch nie das Gefühl hatte, dass sie nur ein bisschen besser als der Rest sein wollen, sondern eben die besten. Ich war anfangs ob ihres „Bezahlt doch was ihr wollt“-Modells auch eher skeptisch, ob das langfristig erfolgreich sein kann – mittlerweile empfehle ich sie für nahezu* jeden Anwendungsfall.

Eine Empfehlung wegen Zufriedenheit. Und das im Jahre 2018. Verrückt.

* „nahezu“, weil es vielleicht sehr spezielle Anforderungen gibt, für die ein Shared Server vielleicht doch nicht die richtige Wahl ist. Das hat aber eben nix mit der Qualität zu tun.

Meine Einreichung für die re:publica 18

Irgendwo in den Tiefen der re:publica-Website wurde auch das Thema Smart Cities behandelt, also intelligent vernetzte Städte, die das Leben vermutlich einfacher machen sollen und wie das in Zukunft aussehen könnte oder so ähnlich, den genauen Wortlaut habe ich nicht mehr im Kopf. Grundlage dafür ist aber auf jeden Fall das Internet of Things, kurz IoT, womit ich mich im letzten Jahr für einen anderen Vortrag schon beschäftigt habe und deswegen jetzt „Experte“ nennen darf.

Der Wortlaut meiner Einreichung:

„Und während Städteplaner schon in ganz anderen Dimensionen denken funktioniert IoT auch im kleinen Massstab nicht wirklich: Gabeln mit Bluetooth. Puppenhäuser mit Internetanschluss. Spülmaschinen mit eingebautem Webserver. Glühbirnen, die ein Softwareupdate benötigen. Drucker, die für gigantische DDoS-Angriffe missbraucht werden. Gehackte und ferngesteuerte Autos. Das Internet kann manchmal auch ganz schön scheisse sein. Die aburdesten Beispiele gibt es in diesem kurzweiligen Vortrag.

Das IoT wird sich über kurz oder lang durchsetzen, trotzdem geht damit ein Sicherheitsrisiko einher, da wir uns einerseits abhängig vom Hersteller machen, die wiederum mit den Daten missbräuchlich umgehen oder sich erst gar nicht um die Sicherheit ihrer Hardware kümmern. Nutzte man früher für Botnetze noch anfällige Rechner, so sind es heute eben Drucker, Getränkeautomaten oder Leuchtmittel. Und gerade bei Dingen wie z.B. Autos oder Ampeln kann es hier auch mitunter lebensgefährlich werden. Der Vortrag ist kurzweilig und stellt in einer Präsentation ein paar der absurdesten Beispiele vor. Er soll ganz klar unterhalten, ohne dabei die ernsthafte Message zu vergessen.“

Ich rechne mir keine allzu hohen Chancen aus, aber falls doch: kommt rum! Wird sicher lustig.

Anti-Social

Jason Kottke hats Anfang Mai gemacht, ich hatte es mir schon länger mal vorgenommen und dann doch immer wieder nach Ausreden gesucht, um es verschieben zu können: letzte Woche habe ich weder Facebook noch Instagram genutzt. Facebook gehört normalerweise neben Feedly und Google Mail zu den Tabs im Browser, die immer offen sind, was an sich schon mal blöd ist wenn man daneben die Zahl der Benachrichtigungen angezeigt kriegt und diesen unterschwelligen Drang hat, kurz nachsehen zu müssen. Instagram habe ich mehrmals am Tag aufgerufen, die Timeline in Facebook mehrmals am Tag gecheckt – nicht weil mich wirklich interessieren würde, was dort gerade passiert, irgendwann wurde es ein fast unbewusster Reflex und eine irgendwo auch nicht mehr ganz so gesunde Handlung.

Also habe ich alle Apps vom Smartphone gelöscht und mich am Desktop ausgeloggt und erst vergangenen Montag nach sieben Tagen wieder einen Blick reingeworfen. Ist jetzt nicht die riesige Zeitspanne, ich weiß, andere machen das ständig, aber von „stündlich mehrmals“ auf „gar nicht“ halt ich schon für einen recht großen Schritt.

  • Ich dachte, es würde schwieriger werden, war es aber nicht. Am ehesten hatte ich noch Probleme diesen Reflex zu unterdrücken, das Smartphone aus der Hosentasche zu befördern um wieder mal irgendeine Timeline zu checken.
  • Bei Facebook hatte ich fast 90 Benachrichtigungen, die allermeisten von einer Seite, die ich mitbetreue. Der Rest waren zum größten Teil wie ich sie nenne „Engagement Notifications“, also von Facebook generierte Benachrichtigungen um mich dazu zu bewegen, irgendwas zu tun. Nicht eine einzige Benachrichtigung war wichtig.
  • Niemand hat bemerkt, dass ich weg war. Wie gesagt, ist bei sieben Tagen auch nicht verwunderlich da ich sonst auch eher passiver Leser bin, nur sollte man sich klar machen dass das „Social“ in „Social Media“ schon lange nicht mehr vorhanden ist. Schon heute kriege ich ja mehr Inhalte von Facebook Seiten als von meinen Freunden in meinem Newsfeed angezeigt. Und zumindest in den Filter Bubbles, in denen ich mich bei Instagram bewege, kann man sich das Social auch gleich sparen.
  • Wir sind in sozialen Netzwerken nur eine Statusmeldung, ein Foto, ein Link, vor allem sind wir aber alle austauschbar. So wie meine Abwesenheit nicht bemerkt wurde würde es so ziemlich jedem ergehen, denn wir halten nicht mehr aktiv Ausschau nach interessanten Inhalten sondern erwarten eigentlich, dass sie uns in die Timeline gespült wird. Ist übrigens auch nicht anders wenn man Facebook, Instagram und so weiter beruflich nutzt – es sind alles Werbekanäle geworden. Ist okay für mich, man sollte sich das halt nur klar machen.
  • Instagram hab ich kurz am Rechner geöffnet und dann wieder geschlossen.

Und jetzt? Die Apps kommen wohl nicht mehr aufs Smartphone, es ist tatsächlich sehr angenehm sich mehr auf meine Umgebung einzulassen als auf ein kleines Display, und nichts ist so wichtig als das ich darauf sofort und jederzeit und überall reagieren müsste. Vermisst habe ich beide Plattformen in dieser Woche nicht, darauf verzichten werde ich natürlich trotzdem nicht, nur sagen wir mal zweckgebundener nutzen.

Und ich habe letzte Woche wieder mehr gebloggt. Ist doch auch was.

Privates

Durch Facebook zufällig erfahren, dass eine Bekannte von mir gestorben ist, und das schon vor einer ganzen Weile. Als ich vor ein paar Jahren noch regelmäßiger bloggte hatten wir über ihren damaligen Arbeitgeber etwas mehr miteinander zu tun, danach hat sich das alles im Sande verlaufen, aus den Augen aus dem Sinn eben. Was ja nicht weiter schlimm ist, man geht ja immer erst mal davon aus, dass es Bekannten gut geht, auch wenn man sich nicht mehr sieht oder das Leben des anderen verfolgt, was eine solche Nachricht natürlich umso überraschender und auch bestürzender macht. Es war ein Foto von ihr, hochgeladen von einer anderen Person, zusammen mit einer kleinen, persönlichen Anekdote. Hätte ich nicht per Zufall in diesem Moment Facebook offen gehabt, ich hätte es vielleicht gar nicht mitbekommen.

Über die Umstände weiß ich nichts.Klar, ich hätte einen gemeinsamen Bekannten fragen können, aber eigentlich kannten wir uns doch nicht so gut als dass es mir zustehen würde mehr darüber in Erfahrung zu bringen. Und so betroffen und nachdenklich es mich heute doch machte, so bin ich doch auch ein klein wenig froh darüber, dass wir noch nicht in einer vollständigen Post-Privacy-Gesellschaft leben und dass so etwas privates wie der Tod eines Menschen nicht unfreiwillig in der Öffentlichkeit landet.